„Crana Musica“ mit Gänsehaut-Effekt

Premiere der Chorfassung von "Crana Musica"

Quelle: Heike Schülein

Ein gewaltiges Klangerlebnis war die Uraufführung des neuen Chorsatzes „Crana Musica“. Eingebettet in ein Gemeinschaftskonzert, überreichte Landrat Klaus Löffler den Chören im Landkreis das neue Arrangement.

Kronach- „Es klingt und singt im Landkreis Kronach“ – Es war ein erhabener Moment, als sich am Freitagabend alle Besucher im Kreiskulturraum erhoben, um gemeinsam die letzten Klänge von „Crana Musica“ förmlich in sich aufzusaugen. Sieben Jahre ist es her, dass an gleicher Stätte erstmals die Heimat-Hymne erklang, mit der Holger Mück die Liebe zu unserem einmaligen Frankenland in einem zackig-flotten Konzertmarsch verewigte. 2023 unterlegte der Komponist und Musiker sein Werk noch mit einem dazugehörigen Text. Am Freitag kamen alle Musikfreunde nunmehr - wiederum im Kreiskulturraum - abermals in den Genuss einer bedeutsamen Uraufführung: Eine eigene Chorfassung des Landkreis-Stückes, eingebettet in ein Gemeinschaftskonzert des Konzertchors der Berufsfachschule für Musik Oberfranken und des Kreisorchesters 50+.

Die Eröffnung des sehr kurzweilig-abwechslungsreichen Programms, durch das in bewährter Weise Stephanus Neubauer führte, oblag dem Orchester. Ob Auszüge aus Händels berühmter Feuerwerks-Musik, der rasante musikalische Höhenflug „Take off“ oder süffige Poesie der ohrwurmverdächtigen Weinkeller Polka - Das, was der stellvertretende Kreisdirigent Holger Mück mit den Musikerinnen und Musikern dem begeisterten Publikum bot, strotzte nur so vor Energie, Dynamik und Leidenschaft. Richtig die Post ab ging beim „Rag from Aegeri“ sowie der Filmmusik aus „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ - Kopfkino pur!

Kraftvoll in voluminöser Klangfülle oder zart in einfühlsamer Zurückhaltung - Der Konzertchor unter dem nuancierten Dirigat des Schulleiters Manuel Grund traf die Zuhörer im Mark. Mal dialogisch abwechselnd von hellen und dunklen Stimmen, mal im gewaltigen Ensemble intonierten und interpretierten die Sängerinnen und Sänger das einzigartige „The Sound of Silence“ über die Einsamkeit des Einzelnen in unserer von materiellen Werten geprägten Gesellschaft und das zeitlos schöne traditionelle englische Volkslied „Scarborough Fair“.

Herausragend waren die Momente, in denen Orchester und Chor - den Klavierpart hatte Katharina Pfretzschner inne - zum großen Gesamtklang verschmolzen. Das epische „Conquest of Paradise“, jener Song von Vangelis, der einst Box-Legende Henry Maske zum letzten Ringkampf begleitete, ließ auch im Kreiskulturraum nichts an akustischer Dramatik vermissen. Gleiches gilt für „Carmina Burana“ - diesem großen Meilenstein der Musikgeschichte, der die Menschen seit jeher in den Bann zieht - und für Bravorufe im Saal sorgte. Als leuchtender Gesangsstern am musikalischen Himmel begeisterte die Solistin Nina Eckl, als sie mit ihrer weichen, geschmeidigen Stimme die melodische Schönheit von „Gabriellas Song“ aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“ zur Entfaltung brachte.

Eine große Bereicherung erfuhr der musikalische Brückenschlag durch zwei Eigenkompositionen von Manuel Grund: „Fighting Drums“ und „Nachklänge“. Mit staunenden Augen verfolgte man im Publikum „Fighting Drums“. Inspiriert von W. Thärichens „Paukerkrieg“, lieferten sich dabei der Komponist und Stefanie von Rein ein rasantes musikalisches Duell. Lange nachhallend in Klang und Emotionen war die Uraufführung „Nachklänge“ - Ein melancholisch angehauchter Dialog mit melodischen Holzbläserklängen von Yelyzaveta Lysenko (Querflöte), gestützt durch den perkussiven Rhythmus von Manuel Grund (Vibraphon, Percussion).

„Das ist Heimat, das ist unser Landkreis Kronach“, zeigte sich Landrat Klaus Löffler überwältigt vom herrlichen Konzert. Er erinnerte daran, wie man sich 2019 gemeinsam mit dem damaligen Kreisvorsitzenden, mittlerweile Ehrenvorsitzenden, des Nordbayerischen Musikbunds (NBMB) Kronach, Wolfgang Müller, auf den Weg gemacht hatte, unserer Heimat mit einem Landkreis-Stück eine eigene Identität zu geben - eine Herausforderung, der sich glücklicherweise Holger Mück stellte. Selbst ein „Kind des Frankenwalds“, komponierte und vertextete dieser dann auch später „Crana Musica“. Vor einiger Zeit seien nunmehr Holger Mück und Manuel Grund ins Landrat-Büro gekommen und hätten ihm berichtet, einen eigenen Chorsatz für „Crana Musica“ erarbeitet zu haben. Diesen wollten sie - im kleinen Rahmen im Landratsamt - den Chören kostenlos zur Verfügung stellen. Aufgrund der herausragenden Bedeutung für den Landkreis habe er als Landrat jedoch einen würdigen Konzertrahmen für dieses freudige Ereignis gewünscht. Ein großes Anliegen war es ihm auch, die ganze Bevölkerung daran teilhaben zu lassen - ein Angebot, das eine Vielzahl an Musikfreunden, darunter auch Vertreter der Kommunalpolitik und der beiden großen Kirchen, dann auch             gerne annahm.

Unter großem Applaus übergab der Landrat schließlich den Chorsatz stellvertretend für alle Landkreis-Chöre an den Vorsitzenden des Sängerkreises Coburg-Kronach-Lichtenfels, Burkhard Neubauer, sowie an den stellvertretenden Vorsitzenden der Sängergruppe Frankenwald, Hans Joachim Maier. Beide versicherten, „Crana Musica“ in die Welt hinaustragen zu wollen. In diesem Zusammenhang lud Burkhard Neubauer bereits für den 12. Juni 2027 nach Windheim ein, wenn zum 100-jährigen Jubiläum der Sängervereinigung Edelweiß Windheim auf dem Dorfplatz auch „Crana Musica“ erklingen wird.

Schließlich war es soweit: Dass im Anschluss erstmals vom Konzertchor und dem Orchester gemeinsam zum Klingen gebrachte Chor-Arrangement wurde so begeistert aufgenommen, dass sich das Publikum noch während der Uraufführung erhob. Im Unterschied zur ursprünglichen Grundfassung wurde der Satz nicht nur zweistimmig, sondern vierstimmig angelegt. Beim Arrangement wurde besonderer Wert auf eine klare vierstimmige, überwiegend homophone Harmonik gelegt - sprich, dass sich die Stimmen rhythmisch weitgehend gemeinsam bewegen. Ebenso wichtig waren eine ausgewogene Stimmführung, die in allen Lagen gut singbar bleibt, sowie eine harmonische Stabiltität, da die vier Stimmen gemeinsam vollständige Akkorde bilden.

Nachdem die Begeisterung im Publikum keine Grenzen kannte, wurde dieses als Zugabe noch einmal mit „Conquest of Paradise“ belohnt - Schlusspunkt eines musikalischen Klangereignisses, das seinen Platz in den Analen des Landkreises sicher hat. hs

Das Kreisseniorenorchester 50+ des Kreisverbandes Kronach gemeinsam mit dem Konzertchor der Berufsfachschule für Musik Kronach.
Bei der offiziellen Übergabe des Chorsatzes: (von links) Conférencier Stephanus Neubauer, Landrat Klaus Löffler, Burkhard Neubauer (Sängerkreis Coburg-Kronach-Lichtenfels), Hans Joachim Maier (Sängergruppe Frankenwald), Manuel Grund (Arrangement Chorsatz) und Holger Mück (Komponist und Textdichter)
Uraufführung „Nachklänge“ mit Manuel Grund und Yelyzaveta Lysenko
Gesangssolistin Nina Eckl mit „Gabriellas Song“
„Fighting Drums“ mit Manuel Grund und Stefanie von Rein
Kreisseniorenorchester 50+