Landtagsanhörung: Laienmusik im Dauer-Krisenzustand

Der Nordbayerische Musikbund warnt gemeinsam mit anderen bayerischen Laienmusik- und Theaterverbänden in einer Anhörung beim Bayerischen Landtag vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Energiekrise. Am größten ist die Sorge um den Nachwuchs.

Quelle: Geschäftsstelle, 11.11.2022
Mehrere Männer in Anzug stehen nebeneinander und schauen freundlich in die Kamera.
NBMB-Geschäftsführer Andreas Kleinhenz gemeinsam mit Andreas Horber, BMR & BBMV, dem Ausschussvorsitzenden Robert Brannekämper, Joachim Graf und Franz Josef Pschierer, beide ASM, und Dr. Wolfgang Heubisch, stellv. Vorsitzender

Schrumpfende Mitgliederzahlen, weniger Nachwuchs für Ensembles, gesunkene finanzielle Rücklagen – das sind Probleme, mit denen die Laienmusikkultur im Freistaat aktuell zu kämpfen hat. Der Bayerische Landtag hat daher Sachverständige am 9. November 2022 zu einer Anhörung im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst geladen, um sich ein Bild von der Laienmusik- und Laientheaterszene nach zwei Jahren Corona-Pandemie zu machen. Den Vorsitz hatte Robert Brannekämper (CSU) inne. Einer der Sachverständigen war NBMB-Geschäftsführer Andreas Kleinhenz.

Weniger junge Mitglieder in Musikvereinen als vor der Pandemie

Weil 2020 und 2021 kaum Nachwuchswerbung stattfinden konnte, kam es zu einer Reduzierung der Mitglieder unter 18 Jahren in den Musikvereinen um fünf bis 40 Prozent. Ältere Vereinsmitglieder beenden das aktive Musizieren. Auch sind immer weniger Ehrenamtliche bereit, ein Amt im Verein und die damit einhergehenden Verpflichtungen zu übernehmen. Derzeit werden so viele Chorleiter und Dirigenten gesucht wie nie zuvor. Viele haben aufgehört oder andere Jobs übernommen. Mitglieder- und Dirigentenschwund führen dazu, dass Musikensembles ganz aufgeben oder ihr Repertoire neu erarbeiten müssen. Die Corona-Pandemie bezeichnete Andreas Kleinhenz als „Brandbeschleuniger“ – viele der genannten Probleme habe es schon vorher gegeben, sie seien jetzt allerdings verstärkt sichtbar.  

Alle Sachverständigen beklagten die strikten Beschränkungen während der Lockdowns, die die Musikvereine vor große Herausforderungen stellten. Ihre Mitglieder hatten oft nicht mehr nachvollziehen können, wann wieso für wen Regeln gelockert wurden. Besonders im Vergleich zum Sport fühlen sich die Vereine benachteiligt.

Für die Zukunft der Vereine und die musikalische Ausbildung der Kinder forderten die Expert:innen daher einen besseren Zugang zu Grund- und Mittelschulen sowie zu Kindertagesstätten. Dringend nötig sind feste Rahmenbedingungen, wie sich Musikvereine dort engagieren dürfen. Denn das legt die Basis für eine lebendige Laienmusikkultur. Auch würde ein finanzieller Zuschuss für den Musikunterricht den Musikvereinen helfen. Bisher werden in den meisten Musikvereinen die Unterrichtsgebühren durch Elternbeiträge und eigene Finanzmittel finanziert. Eine Anhebung der Elternbeiträge, um die allgemein rasant gestiegenen Kosten auch in der Ausbildung von jungen Musiker:innen zu decken, hätte zur Folge, dass viele Familien sich eine musikalische Ausbildung schlichtweg nicht mehr leisten können.

Finanzielle Herausforderungen der Musikvereine durch Energiekrise noch verschärft

Die durch die Corona-Pandemie ohnehin vorhandenen finanziellen Herausforderungen für die Laienmusik in Bayern verschärfen sich wegen der steigenden Inflation und der aktuellen Energiekrise noch weiter: Aufgrund der durch die Corona-Pandemie aufgebrauchten Rücklagen können Energiekostenerhöhungen von den Vereinen nicht mehr selbst finanziert werden. Der Bayerische Musikrat mahnt daher, dass es dringend notwendig sei, Vereine bei eventuellen Bundesprogrammen zu berücksichtigen oder von Seiten des Freistaates Bayern entsprechende Hilfsprogramme zu schaffen. „Die Vereine als die zentralen Vermittler von Musik sind unverzichtbar“, sagt BMR-Präsident Dr. Helmut Kaltenhauser. „Sie müssen dringend gestärkt werden: Finanzielle Hilfen, gerade nach Corona und wegen steigender Preise, sind genauso wichtig wie auch der Abbau von wuchernder Bürokratie, die immer mehr Vereinsaktive in die Passivität treibt.“

Mehrere Menschen in schicker Kleidung stehen nebeneinander in einem prunkvollen Saal und lächeln in die Kamera.
Die Vertreter:innen des NBMB gemeinsam mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder

Neue Veranstaltungsformen für die Blasmusik

Während der Corona-Pandemie haben sich die Menschen daran gewöhnt, mit weniger Freizeitangeboten auszukommen. Volle Konzertsäle gibt es immer seltener. Außerdem ist auch die Bereitschaft der Musiker:innen gesunken, sich an Proben und Auftritten zu beteiligen. Daher rufen die Blasmusikverbände ihre Mitgliedsvereine dazu auf, über ganz neue Veranstaltungsformen nachzudenken. Man müsse andere Menschen ansprechen, als bloß jene zum Konzert zu laden, die bereits mit dem Musikverein verbunden sind.

Der Landtagsanhörung ging ein Abendessen mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Vertreter:innen der bayerischen Laienmusikverbände am 7. November 2022 in der Münchner Residenz voraus. Ministerpräsident Söder betonte dabei, dass die Blasmusik ein wichtiger Bestandteil der Bayerischen Kultur sei und deshalb weiter die Unterstützung des Freistaates Bayern erhalte. Er bat um Entschuldigung und gleichzeitig Verständnis, für teilweise überzogene Maßnahmen während der Pandemie, die die Probenarbeit und Auftritte massiv eingeschränkt hatten. Aus heutiger Sicht würde man vieles anders machen – jedoch hatte und hat der Schutz der Menschen immer oberste Priorität. Der Nordbayerische Musikbund war mit einer Abordnung des Präsidiums unter Vorsitz des Präsidenten Manfred Ländner MdL zahlreich vertreten.

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