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NBMB-Delegiertenversammlung mit spürbar guter Stimmung

NBMB-Präsident Manfred Ländner machte bei der Delegiertenversammlung in Ursensollen gute Stimmung aus, denn der NBMB ist auf einem sehr guten Weg. Dennoch gibt es weiterhin viel zu tun.

Quelle: Martin Hommer, "Blasmusik in Bayern, 01.12.2022
NBMB-Präsident Manfred Ländner (MdL) freute sich über eine harmonische Delegiertenversammlung in Ursensollen.
NBMB-Präsident Manfred Ländner (MdL) freute sich über eine harmonische Delegiertenversammlung in Ursensollen.

Am Ende der diesjährigen Delegiertenversammlung war NBMB-Präsident Manfred Ländner die Erleichterung anzusehen. Trotz der Corona-Krise ist der NBMB auf Kurs, die Berichte zeigten, dass vieles geschafft und vieles weitere auf den Weg ­gebracht wurde. »Wir haben heute von vielen Dingen gehört, die wir als Verband anpacken werden. Ich weiß, dass ich mich dabei auf das Präsidium und die Kommissionen verlassen kann«, betonte der Präsident in seinem Schlusswort. »Wir alle sind eine Gemeinschaft mit der wunderbaren Aufgabe, die Menschen zusammenzuführen und junge Menschen an die Musik heranzuführen.«

Tatsächlich wurde auch dies in den Berichten klar wie selten zuvor: Es geht nur miteinander! Und auch die von Präsident Manfred Ländner festgestellte Aufgabe, junge Menschen an die Musik heranzuführen, steht so sehr im Zentrum wie noch nie. Diesem Ziel haben sich alle Kommissionen auf Verbandsebene verschrieben, und auch die Bezirke und Kreisverbände arbeiten – wie die Vereine vor Ort – mit aller Kraft daran, die sich andeutende Corona-Delle bei den Mitgliederzahlen auszumerzen.

Der NBMB muss sich neuen Herausforderungen stellen

Ländner konnte in seinem Bericht zwar auf beeindruckende Mitgliederzahlen verweisen, jedoch habe die Corona-Krise tiefe Einschnitte vor allem bei den Kindern und Jugendlichen hinterlassen. Viele Nachwuchsorchester seien nicht mehr spielfähig. Das Fehlen von gleich zwei Ausbildungsjahrgängen werde dem Verband und seinen Mitgliedsvereinen in Zukunft noch große Probleme bereiten, ahnte Ländner. Das Fehlen der Ausbildungsjahrgänge führe unweigerlich zu einem Ansteigen des Durchschnittsalters im Verband, und es gebe noch weitere Auswirkungen: weniger Absolvent:innen der Bläserprüfungen D1, D2 und D3, weniger Musikerinnen und Musiker, die in den Auswahlorchestern mitspielen, weniger Dirigent:innen und Ausbilder:innen aus den eigenen Reihen. Gerade bei dieser Gruppe sei bereits zu sehen, dass viele sich in den vergangenen Jahren ein neues Betätigungsfeld und neue Verdienstmöglichkeiten gesucht hätten. Vieles sei im Umbruch, so Ländner, der NBMB müsse sich den neuen Herausforderungen stellen. Um junge Familien besser zu erreichen, müsse beispielsweise der digitale Bereich besser aufgestellt werden, auch wenn Ländner darauf hinwies, dass digitale Angebote keinesfalls die »reale Welt« ersetzen könnten.

Ländner bedankte sich für die Unterstützung der Laienmusik durch den Freistaat während der Corona-Krise. Insgesamt seien 1 200 Anträge mit einem Gesamt­volumen von 1,9 Millionen Euro von der Geschäftsstelle bearbeitet, bewilligt und ausbezahlt worden. Er freue sich nicht nur über die gewaltige Summe, die das wirtschaftliche Überleben vieler Vereine gesichert hat, sondern er freue sich vor allem über das Signal, dass die Blasmusik gesellschaftsrelevant sei.

Ein weiteres Signal in dieser Richtung sei die Anhörung im Landtag zur Situation der Laienmusik gewesen, bei der NBMB-Geschäftsführer Andreas Kleinhenz zusammen mit einigen Geschäftsführer-Kollegen als Experte geladen war. »So eine Anhörung ist schon etwas Großes«, verriet der langjährige Abgeordnete und fasste die wichtigsten Punkte der Anhörung noch einmal für die Delegierten zusammen. Die Ausschussmitglieder, so Ländner hätten sich nach der Anhörung beeindruckt von den Ausführungen der Laienmusik-Vertreter gezeigt. Speziell die Blasmusik habe sich sehr professionell und kompetent gezeigt.

Ein Zeichen der Wertschätzung sei auch das Abendessen gewesen, das Ministerpräsident Dr. Markus Söder für rund 80 Vertreter:innen des Bayerischen Blas­musik­ver­bands in der Münchner Residenz ausgerichtet hatte.

Ländner ging auch auf das Präventionskonzept des NBMB und der Nordbayerischen Bläserjugend ein. Dieses Konzept sehe unter anderem vor, dass Musiklehrkräfte, die gegen Honorar für den Verband tätig seien, eine Präventionsschulung besuchen müssen. Dies werde auch bereits umgesetzt. Etliche Lehrkräfte hätten die Schulung aus verschiedenen Gründen abgelehnt. Ländner betonte, diese Schulung habe nichts mit einem »Verdacht« zu tun. Man müsse heute einfach auch in dieser Richtung aktiv sein. Um Grenzüberschreitungen jeder Art sichtbar machen zu können, sei im Kurs-Finder eine »Kummerbox« eingerichtet worden, wo Betroffene sich melden können. Vor allem, so Ländner, solle diese »Kummerbox« abschreckende Wirkung haben. Ländner bat darum, alles dafür zu tun, um Grenzüberschreitungen jeder Art zu vermeiden – bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen.

Eine weitere Bitte richtete Ländner über die Delegierten an alle NBMB-Mitgliedsvereine: Nach dem Aus für die Ausgleichsvereinbarung mit der Künstlersozialversicherung bekommen manche Vereine nun eine Rechnung von der Künstlersozialkasse. Ländner bat darum, dass sich diese Vereine auf jeden Fall mit der NBMB-Geschäftsstelle in Verbindung setzen, denn abgabepflichtige Vereine können einen Zuschussantrag an den NBMB stellen.

Am Ende seines Berichts stellte der NBMB-Präsident klar, dass der Nordbayerische Musikbund sein 70-jähriges Jubiläum in diesem Jahr nicht vergessen hat. »Aber was hätten wir denn angesichts der Corona-Lage planen oder machen sollen?« Ländner versprach, die Feierlichkeiten auf das 75-jährige Verbandsjubiläum zu verschieben. »Und dann hauen wir richtig einen raus!«

Eine Musikkapelle musiziert auf einer Bühne.
Die Musikkapelle Ursensollen begrüßte die Delegierten.

Die erweiterte Musikkommission ist ein Erfolg

Verbandsdirigent Christian Lang berichtete von der Arbeit der Musikkommission. Er selbst sei nun seit drei Jahren als Verbandsdirigent in der Verantwortung, seit zwei Jahren gebe es die Musikkommission und die erweiterte Musikkommission in ihrer aktuellen Ausgestaltung. Die bisherige Arbeit der Kommissionen habe stark im Zeichen der Corona-Pandemie gestanden, trotzdem habe sich einiges bewegt: Viele Kurse seien zumindest zeitweise auf das Online-Format umgestellt worden. Zahlreiche Kurse seien überhaupt ins Leben gerufen worden, einige davon hätten sich speziell mit der Lockdown- und Restart-Thematik befasst, andere dienen beispielsweise der Weiterbildung von Dirigent:innen.

Derzeit seien einige Ideen in Entwicklung, die sich beispielsweise mit der Ausbildung beschäftigen. Lang machte die allgemein fehlende Verbindlichkeit und mangelndes Commitment als Problemfelder aus: Konzepte von vor fünf Jahren funktionieren heute nicht mehr, so der Verbandsdirigent.

Lang verwies auf etliche Kurse, die derzeit in der Entstehung begriffen seien und stellte den Lehrgangskatalog für instrumentale Fortbildungen vor. Auch gebe es einige neue Wertungsspiel-Angebote. Der Verbandsdirigent dankte allen Mitgliedern der Musikkommission sowie der erweiterten Musikkommission und lobte vor allem das Spielleute-Referat, das derzeit das aktivste Referat im NBMB sei. Großen Wert legte Lang auf die Feststellung, dass gerade die erweiterte Musikkommission ein großer Erfolg sei: Die Diversität durch die Amateur:innen habe schon tolle Ergebnisse gebracht, da diese andere Sichtweisen in die Diskussion einbrächten.

Clemens Vykydal berichtete von der Arbeit der Vereinskommission, die seit ihrer Einrichtung viel erreicht habe. So seien bereits 49 Seminare und Workshops von der Kommission durchgeführt worden. Als jüngstes Projekt stellte Vykydal ein »Vereinscoaching für Vereinsvorstände« vor, das in sechs Modulen auf Kreisverbandsebene angeboten werden soll. Leider hätten sich bislang nur vier Kreisverbände überhaupt entschieden, den eigenen Mitgliedern ein solches ­Seminar anzubieten. Daher sollen nun einzelne »Stützpunkte« vereinbart werden, damit auch kleinere Kreisverbände solche Seminare anbieten können – eventuell in Zusammenarbeit mit einem benachbarten Kreisverband. Die Stützpunkte sollen von der Vereinskommission aus gesteuert werden. Im Frühjahr sollen nach dem Willen Vykydals die Coaching-Seminare im ganzen Verband »laufen«. Derzeit, so Vykydal, sei ein neues Konzept in Richtung Verbandspilot in Arbeit, das sich mit der Schulung von Verbandsfunktionären beschäftigen soll.

In einem Resümee über die Verbandsentwicklung lobte Vykydal, dass der Verband auf dem richtigen Weg sei, das habe die Arbeit der vergangenen Jahre gezeigt. Die Vereinskommission werde ihre Arbeit in Fachgruppen noch zielgerichteter weiterführen. Einen Dank richtete Vykydal an Peter Gaschler, der die Kommission anfangs geleitet hatte, inzwischen aber ausgeschieden sei. Gaschler sei sehr wichtig für die Entstehung der Vereinskommission gewesen.

Kleinhenz kündigt große Image-Kampagne an

NBMB-Geschäftsführer Andreas Kleinhenz stellte nicht nur das umfangreiche Zahlenwerk des NBMB-Haushalts vor, sondern erläuterte den Delegierten auch die Ergebnisse des NBMB-Zukunftskongresses, der im September in Bamberg stattgefunden hatte und die Blitzumfrage, die dem NBMB im Sommer die Sorgen und Nöte der Mitgliedsvereine in aller Deutlichkeit vor Augen geführt hatte. Kleinhenz kündigte für das Frühjahr 2023 eine große Image-Kampagne für die Blasmusik an, im Rahmen derer verschiedene Musikerinnen und Musiker in Bild und Video ihre Geschichte rund um die Blasmusik erzählen. Mithilfe der Kampagne »Blasmusik-Storys« soll auch außerhalb der »Blasmusik-Bubble« und bei Nicht-Musikerinnen und -Musikern Interesse an der Blasmusik geweckt werden. Gleichzeitig würden viele Veranstaltungen und Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung durchgeführt, darunter eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, ein Best-Practice-Katalog und vieles mehr.

Andreas Kleinhenz berichtete auch von der Digitalisierung des Nordbayerischen Musikbundes: Derzeit gebe es neben der Verbandsverwaltung, der Vereinsverwaltung und der NBMB-Webseite den Kurs-Finder, das Zuschussportal und das neue Portal www.blasmusik4u.de. Geplant sei ein Online-Suchportal für Dirigenten, Ausbilder, Studierende, Aushilfsmusiker etc. Kleinhenz appellierte an die Vereine, diese Angebote zeitnah aufzugreifen und nicht »auf die lange Bank« zu schieben: »Der NBMB und die Nordbayerische Bläserjugend können vielfältig unterstützen und helfen, ›laufen‹ müssen die Vereine aber schon selbst!« Die bestehenden Angebote würden laufend an die aktuellen Erfordernisse angepasst, beispielsweise mit einer 2-Faktor-Authentifizierung in der Verbandsverwaltung oder einer kompletten Neuordnung der Jahresmeldung und Beitragsrechnung. Hier wurde unter anderem auf das SEPA-Verfahren umgestellt. Kleinhenz stellte auch nochmals den »Kummerkasten« im Kurs-Finder vor, der zur Präventionsstrategie des NBMB gehört. Kleinhenz stellte fest, dass sich der Verband nicht auf dem Erreichten ausruhen könne und werde. Vielmehr werde die Entwicklung und Digitalisierung weitergehen.

Die fälligen Neuwahlen des Präsidiums brachten keine Überraschungen: NBMB-Präsident Manfred Ländner wurde in seinem Amt bestätigt, wie auch seine Stellvertreter Gerhard Engel, Thomas Kolb, Helmut Schörner und Max Mages. Für Tobias Hauenstein, der sich nicht mehr zur Wahl stellte, wurde Clemens Vykydal zum Vizepräsidenten gewählt. Verbandsdirigent bleibt Christian Lang, die neuen Kassenprüfer sind Lars Kustler und Lothar Prechtl.

Nachdem der alte und neue NBMB-Präsident Manfred Ländner während der Delegiertenversammlung einer ganzen Reihe von Akteur:innen gedankt hatte, ergriff NBMB-Vizepräsident Gerhard Engel als Bezirksvorsitzender der Oberpfalz und als dienstältester Vizepräsident das Wort und dankte Manfred Ländner für die Führung des Verbands in schwierigen Zeiten. Es sei nicht immer einfach gewesen, aber Ländner habe am Ende immer einen Kompromiss zustande gebracht.

Der NBMB, das wurde bei der Delegiertenversammlung sehr deutlich, ist weiterhin auf einem sehr guten Weg. Dennoch gibt es auch künftig viel zu tun, denn die umsichtige NBMB-Führungsriege hat wichtige Problemfelder erkannt, benannt und die Bearbeitung läuft bereits. 

Mehrere Männer in Anzug stehen nebeneinander und schauen freundlich in die Kamera.
Das neue NBMB-Präsidium: (von links) Clemens Vykydal, Thomas Kolb, Andreas Kleinhenz, Christian Lang, Manfred Ländner, Gerhard Engel und Helmut Schörner.

Grußworte der Ehrengäste

Großes Lob für den NBMB gab es zu Beginn der Versammlung in den Grußworten der Ehrengäste. Der örtliche Stimmkreisabgeordnete im Landtag Harald Schwartz (MdL) stellte beispielsweise fest, dass Musik gleichzusetzen sei mit Freude am Zusammenhalt und am gemeinsamen Wirken. Musizieren sei mehr als nur das Beherrschen eines Instruments. Gleichzeitig gratulierte Schwartz seinem Landtagskollegen, dem NBMB-Präsidenten Manfred Ländner. Dieser setze sich im Landtag und in der Fraktion stets dafür ein, die Blasmusik im Freistaat zu fördern.

Der Ursensollener Bürgermeister Albert Geitner erklärte, der NBMB habe mit der Auswahl seines Versammlungsortes genau die richtige Wahl getroffen, denn in der Gemeinde Ursensollen werde prächtig musiziert, wie die Musikkapelle Ursensollen zu Beginn der Versammlung gezeigt habe. Geitner setzte die Musik in der Gemeinde mit dem Geläut der Kirche gleich: »Es geht einfach nicht ohne!« Ohne Musik, so der Bürgermeister, sei alles nicht schön. Deshalb sei die Blasmusik in seiner Gemeinde stets willkommen.

Der stellvertretende Landrat des Landkreises Amberg-Sulzbach Franz Mädler war früher selbst Bürgermeister in Ursensollen gewesen und bezeichnete die Gemeinde als das kulturelle Herzstück der Landkreis-Gemeinden. Mädler lobte vor allem das Ehrenamt, ohne das vieles nicht möglich sei. Namentlich lobte er Werner Stein: »Wir brauchen Menschen wie Sie, die anpacken und nicht darauf warten, dass irgendwo irgendetwas herkommt!«

Richard Gassner war als Bezirksrat und Kulturbeauftragter der Oberpfalz zur NBMB-Delegiertenversammlung gekommen und betonte, dass es ein Zeichen der Wertschätzung für die Blasmusik sei, wenn alle kommunalen Ebenen vertreten seien. Gassner verwies vor allem auf die freiwilligen Leistungen des Bezirks, mit denen die Blasmusik unterstützt wird. Die Gemeinden, so Gassner, engagieren sich nach Kräften, weil man genau weiß, wie wichtig die Kultur ist. Dessen sei man sich auch in den Landkreisen und beim Bezirk bewusst. Momentan sei es wichtig, keine Leistungen zu streichen, sondern die Blasmusik weiter zu unterstützen. Der Bezirk komme seiner Verantwortung für die Kultur beispielsweise bei der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg nach, die eine wichtige Einrichtung und auch überregional von großer Bedeutung sei, beispielsweise bei der Ausbildung von Ausbilder:innen, Dirigent:innen etc., die dann wieder in der Blasmusik wirken. Der Bezirk fördere auch die Trachtenpflege, die Leistungsabzeichen D1 und D2, die Arbeit des NBMB-Bezirks Oberpfalz und vieles mehr. Er freue sich, so Gassner, dass die geballte Kraft der Musik nach Ursensollen gekommen sei.

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