Die Kunst des Staunens will gelernt sein
Sechs neue staatlich anerkannte Dirigenten im Nordbayerischen Musikbund
Im Frühjahr 2026 fand wieder der Dirigierlehrgang des NBMB in der Bayerischen Musikakademie Hammelburg statt. Für Isabell Dittrich, Vanessa Firnstein, Sara Wheeler, Janick Herbertz, Michael Hohmann und Moritz Rothmeier endete dieser mit großem Erfolg: Sie konnte die Phase IV erfolgreich abschließen und sind nun dazu berechtigt, die staatliche Anerkennung für das Dirigieren im Laienmusizieren zu beantragen. Die sechs berichten von ihren Erfahrungen.
Der erste Satz ist immer der schwerste, aber irgendwo muss man ja anfangen. Genauso ist es beim Dirigieren. Daher begannen wir unsere Reise im sogenannten Grundkurs, in dem wir, unter der Leitung von Tanja Berthold, schon die Grundlagen von Ensembleleitung und Musiktheorie vermittelt bekamen. Der zweite Satz fällt schon etwas leichter. Mit der Musikakademie in Hammelburg waren wir nun also schon vertraut, der Schritt in den Dirigentenlehrgang war einfach folgerichtig für uns. Im Herbst 2024 begannen wir zu siebt unsere musikalische Reise mit Wolfgang Heinrich als unseren Reiseleiter, gefüllt mit vielen eindrücklichen, kreativen Bildern und Metaphern.
Die erste Station führte uns nach Ungarn mit rhapsodiösen Melodeien. Dort erwartete uns der Räuber Hotzenplotz hinter der Tür, der aufgehoben, hochgehoben und losgelassen werden wollte. Sobald wir die „Kleine Ungarische Rhapsodie“ erarbeitet hatten, wanderten wir über Peters grüne Wiese mit Becher im Rucksack zu den Göttern der Phase 2, deren Schicksal wir in „Fate of The Gods“ besiegelten. Was mussten wir staunen! Wir staunten auch nicht schlecht, als wir in der Phase 3 den Pumuckl in der französischen Revolution bei „Les Miserables“ fanden. Auch Karlsson vom Dach flog mit seinem Propeller über unseren Köpfen vorbei.
Unsere dirigentischen Fähigkeiten wuchsen kontinuierlich, sodass wir in Phase 4 schon die Vorboten des Frühlings spüren konnten, auch wenn so mancher meinte, eher von Hunden gejagt zu werden. In „The Hounds of Spring“ berührte uns die Energie der Natur so stark, dass wir bis hinter die Augen und in die Zirbeldrüse atmeten. Die mutigsten unter uns trauten sich, am Ufer eines gedanklichen Meers zu stehen und zu erahnen, welche Welle wohl wieder abebbt. Wir waren nun auch gewappnet, ein Solostück mit dem Tubisten Jonas Bohlein zu bezwingen. Im „Tuba Concerto“ von Edward Gregson begegnete uns nicht nur das Kasperle, sondern sogar Obelix mit Balletschuhen und Hinkelstein auf dem Rücken. Da endlich meisterten wir die Kunst des Staunens! Ein weiterer treuer Begleiter auf dieser Reise war unser Korrepetitor Wendelin Treutlein, der uns stets und unermüdlich zum Singen und pünktlichen Essen animierte. Dank des fantastischen Dozententeams lernten wir auch in den restlichen Fächern eine Menge an hilfreichen und praxisrelevanten Inhalten!
Lieber Wolfgang, wir möchten Dir an dieser Stelle nochmals ganz herzliche für deine Inspiration, zahlreichen Impulse und unermüdliche Energie danken! Deine Lehren werden uns auf unserem weiteren dirigentischen Weg sicherlich immer begleiten. In diesem Sinne: Park and Reib!