Musik-Tag für Alle

Quelle: Monika Feldmeier

Musik verbindet Menschen – ganz unabhängig von Alter, Fähigkeiten oder Herkunft. Wie wunderbar das gelingen kann, zeigte der „Musik-Tag für Alle“ in Würzburg.

„VIELFALT SIEGT – EINE TOLLE SACHE: WIEDERHOLEN!“ So stand es auf einem der zahlreichen Feedbackzettel, die am Ende des „Musik-Tags für Alle“ ausgefüllt wurden. Und treffender hätte sich die Stimmung dieses besonderen Nachmittags kaum zusammenfassen lassen. Denn am Sonntag, 18. Oktober, wurde das Generationenzentrum Matthias-Ehrenfried in Würzburg zu einem Ort, an dem Menschen unterschiedlichsten Alters, mit und ohne Beeinträchtigung, zusammenkamen, gemeinsam musizierten, sangen, tanzten, lachten und einander begegneten. Was sie verband? Die Freude an der Musik!

Schon die musikalische Eröffnung durch die 35 Kinder des Würzburger Limonadenchors sorgte für einen berührenden Auftakt. Der Limonadenchor wurde bereits mit dem Unterfränkischen Inklusionspreis ausgezeichnet und schreibt sich Inklusion nicht auf die Fahnen: Hier wird Inklusion gelebt. Während die jungen Sängerinnen und Sänger mit und ohne Beeinträchtigung ihre Lieder vortrugen, wurden die Texte nicht nur von den professionellen Gebärdensprachdolmetschern übersetzt. Beim Limonadenchor ist es üblich, dass ein Kind aus dem Chor selbst die Liedtexte mitgebärdet. Ein wunderbares Bild für das, worum es an diesem Tag ging: Musik nicht nur hörbar, sondern für alle Menschen auf unterschiedliche Weise erlebbar zu machen.

Auf einer Bühne steht ein Kinderchor und singt vor Publikum.
Der preisgekrönte Würzburger Limonadenchor eröffnete den Musik-Tag für Alle; ein Mädchen aus dem Chor gebärdete die Liedtexte mit.
Eine Kapelle in Tracht musiziert auf einer Bühne vor Publikum. Daneben steht eine Gebärdendolmetscherin und übersetzt die Musik.
Beim Auftritt der "Fränkischen" wurde begeistert geklatscht und geschunkelt.

Und dieses Miteinander zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Nachmittag. Beim Offenen Singen wurden aus Zuhörenden kurzerhand Mitsingende. Die Liedtexte auf der großen Leinwand machten es leicht, einzustimmen. Als anschließend „Die Fränkischen“ mit neun Musikerinnen und Musikern zu Schottisch, Galopp und Walzer aufspielten, wurde begeistert geklatscht und geschunkelt. Spätestens beim gemeinsamen Sitz- und Line-Dance zeigte sich: Musik bringt Menschen in Bewegung – und vor allem zusammen.

Aus Fremden wurden Bekannte

Doch nicht nur vor der Bühne wurde Gemeinschaft gelebt. In den zahlreichen Workshops konnten die Besucherinnen und Besucher selbst aktiv werden: Blasinstrumente ausprobieren, gemeinsam trommeln, Buttons gestalten, bei einer Klangschalen-Meditation zur Ruhe kommen oder der Tischharfe die ersten Melodien entlocken – auch ohne musikalische Vorkenntnisse.

Dabei entstanden ganz nebenbei Begegnungen, die den Nachmittag besonders machten. Menschen kamen miteinander ins Gespräch, halfen sich gegenseitig beim Ausprobieren und entdeckten gemeinsame Interessen. Wer sich beim Trommeln oder Musizieren kennengelernt hatte, traf sich später bei Kaffee und Kuchen wieder. Und aus einem ersten Lächeln wurde nicht selten ein angeregtes Gespräch. Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt der Inklusionsband Mosaik. Mit eigenen Kompositionen und bekannten Hits sprang der Funke schnell auf das Publikum über. Es wurde mitgesungen, getanzt und gefeiert.

Dass Musik weit mehr ist als das, was wir mit den Ohren hören, wurde auch bei den beiden Orgelführungen in der benachbarten Stift-Haug-Kirche deutlich. Organist Christoph Preiß nahm die Teilnehmenden mit in die faszinierende Klangwelt der Orgel. Das abschließende kleine Orgelkonzert wurde vollständig in Gebärdensprache übertragen – nicht etwa gesprochene Worte, sondern die Musik selbst. Ein außergewöhnliches Erlebnis, das noch einmal auf ganz besondere Weise zeigte, wie vielfältig Musik wahrgenommen und vermittelt werden kann.

Ein kleiner Junge und vier erwachsene Menschen trommeln gemeinsam auf Eimern. Einer der vier Erwachsenen hilft dem kleinen Jungen.
Der Trommel-Workshop war bei den großen und kleinen Besucherinnen und Besuchern beliebt.
Zwei Frauen und zwei Männer halten Urkunden in den Händen und stehen vor einem Roll-up des Nordbayerischen Musikbundes. Sie lächeln stolz in die Kamera.
Für die Teilnahme an der Weiterbildung „Kultur, Teilhabe & Älterwerden“ wurde der NBMB ausgezeichnet.

Musik als gemeinsame Sprache

Möglich gemacht hatten diesen besonderen Tag der Nordbayerische Musikbund e. V., die Nordbayerische Bläserjugend e.V., das Kulturbüro der Lebenshilfe Wohnstätten Mainfranken und das Generationenzentrum Matthias-Ehrenfried. Bereits bei der Begrüßung durch Carolin Lutz, Monika Feldmeier, Gerhard Cäsar und Antje Arlt wurde deutlich, dass die Freude an Musik und Begegnung im Mittelpunkt stehen sollte.

Ein besonderes Zeichen für gelebte Teilhabe setzte auch die Urkundenverleihung an den Nordbayerischen Musikbund im Rahmen des Musik-Tags. Für die Teilnahme an der Weiterbildung „Kultur, Teilhabe & Älterwerden“ der Fachstelle für Demenz und Pflege und des Curatoriums Altern gestalten wurde der Verband ausgezeichnet. Die Weiterbildung sensibilisiert dafür, kulturelle Angebote auch für ältere Menschen und Menschen mit Demenz zugänglich zu gestalten. Als Teil des Netzwerks „Dialog: Kultur & Demenz“ setzt der Musikbund damit ein weiteres Zeichen für Offenheit und kulturelle Teilhabe in jedem Lebensalter.

Und genau darum ging es an diesem Tag. Nicht Perfektion oder musikalisches Können zählten, sondern Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen. Jede und jeder konnte auf eigene Weise dabei sein – singen, tanzen, musizieren, zuhören oder einfach genießen.

Wie sehr dieser Gedanke die Menschen erreichte, zeigten die durchweg positiven Rückmeldungen. Besonders eindrücklich schrieb ein Gast: „Bin zufällig auf der Durchreise hier in der Stadt gelandet und es hat mich zu Ihnen ‚gezogen‘ – bin absolut überrascht, erfreut und dankbar für diesen Nachmittag.“

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis der Musik: Sie braucht nicht immer viele Worte, um Menschen einander näherzubringen. Sie öffnet Türen, schafft Verbindungen und lässt Unterschiede für einen Moment in den Hintergrund treten. Was von diesem Musik-Tag bleibt, sind deshalb nicht nur schöne Melodien, sondern vor allem viele Begegnungen, strahlende Gesichter und das Gefühl, gemeinsam etwas Besonderes erlebt zu haben. Oder, um es mit den Worten des Feedbackzettels zu sagen: „Vielfalt siegt!“

Zwei Männer singen gemeinsam auf einer Bühne. Einer der beiden Männer sitzt im Rollstuhl.
- Beim Auftritt der bekannten Inklusions-Band Mosaik feierten alle Besucherinnen und Besucher gemeinsam.
An einem Tisch sitzen einige Menschen und spielen gemeinsam auf Veeh-Harfen.
Auch Veeh-Harfen konnten beim Musik-Tag für Alle ausprobiert werden.
Zwei junge Mädchen sitzen an einem Tisch und basteln gemeinsam Buttons. Dafür bemalen sie Vorlagen und schneiden diese aus.
Die Kinder konnten kreativ werden und coole Buttons basteln.
Eine Frau spielt auf verschiedenen Klangschalen. Um sie herum sitzen einige Menschen in einem Stuhlkreis und hören zu.
Bei der Klangschalen-Meditation konnten die Besucherinnen und Besucher zur Ruhe kommen.
Ein Mann musiziert auf einer Orgel vor Publikum.
Bei einer Führung und einem Konzert in der benachbarten Stift-Haug-Kirche konnte die Orgel bewundert werden.